Eifelregio.net 27.05.2014 Waxweiler Waxweiler Eifel, Eifelregion, Doerfer, Eifel, Natur, Genuss, Kultur, Erlebnis, Übernachten, Einkehren, Wandern, Radfahren, Aktivitäten, Veranstaltungen,

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… in Dorf und Stadt

Ein Dorf verschlafen und ländlich-idyllisch wie anno dazumal – das findet man auch in der Eifel nur noch selten. Manche Kleinstädte mit Atmosphäre und viele Dörfer mit Charme haben es zu von Touristen überlaufenen Orten gebracht – nicht immer zu Recht. Bad Münstereifel, Monschau oder Hillesheim sind für sich genommen eigentlich schon attraktive Burgenstädtchen. Doch heute werden sie weniger ihrer Historie wegen besucht, sondern als Marken-Outlet oder Krimi-Schauplatz. Oder weil sie nicht nur hübsch, sondern nah an den Ballungszentren sind. Aber es gibt sie, die verschlafenen Dörfer und Städtchen der Eifel. Ob es noch lange so bleibt?

Waxweiler

Ein verschlafenes Städtchen mit 1111 Einwohnern (2019) ist Waxweiler heute. Doch es war mal richtig betriebsam hier, sogar eine Bahnlinie gab es, die 1971 eingestellt wurde.

Heute verläuft auf der Bahntrasse der Prümtal-Radweg nach Pronsfeld mit Anschluss ans belgische Radwegenetz und nach Prüm. Überall in Waxweiler rauscht das Wasser der Prüm: über ein Wehr, durch schmale Kanäle und Gräben, die früher Gerbereien nutzten. Von der Brücke sieht man die malerisch dicht am oder sogar über den Fluss gebauten Häuser. Die engen Gassen führen steil aufwärts. Schmucke Gebäude sind das Pfarrhaus von 1611 und die Pfarrkirche. Der heilige Willbrord soll hier gewirkt haben und die Springprozession nach Echternach erinnert noch heute an den gestrengen Missionar. Auch ein Wanderweg, der Willibrordusweg startet in Waxweiler.

Das Haus neben der Kirche zeigt Funde aus römischer Zeit – denn die haben hier vor 2000 Jahren gut gelebt und eine Villa der Luxusklasse gebaut. Sie wurde erst bei den Arbeiten für ein Neubaugebiet 2002 entdeckt. - Den besten Blick auf Waxweiler hat man von der Mariensäule 2 km östlich. Sie wurde 1948 von den Bürgern gestiftet, zum Dank dafür, dass Waxweiler vom Krieg verschont blieb, obwohl ganz in der Nähe die Ardennenoffensive stattfand.

Kronenburg (450 Einwohner)

Wie es heißt, wurde der malerisch auf einem Felssporn über der Kyll thronende Burgort, der heute zur Gemeinde Dahlem gehört, nur deshalb nicht zerstört, weil der spätere erste Bundeskanzler Westdeutschlands sich wegen des einzigartigen Ortsbildes dafür einsetzte, dass der geplante Militärflughafen der USA in Spang-Dahlem und nicht in Kronenburg gebaut werden sollte.

Denn unterhalb von Kronenburg im Kylltal führte die militärisch wichtige Trasse der Vennquerbahn, heute ein Radweg. Anfang 1945 kamen die vorrückenden Truppen hier durch – doch das Dorf blieb verschont. Welch ein Glück, dass Kronenburgs original erhaltene altertümliche Dorfbild intakt blieb, das so schöne Foto- oder auch Zeichenmotive bietet. In den 1930er-Jahren übten sich bereits Künstler an den Ecken und Winkeln, der pittoresken Architektur des Burgdorfs im Zeichnen. In der Nachkriegszeit waren Konrad Adenauer und andere berühmte Leute gelegentlich im Burghaus zu Gast und Kronenburg wurde als "Künstlerdorf" bekannt.

Jedes Jahr öffnen bis heute ein Wochenende im September viele der historischen Privathäuser und werden zu Ausstellungsorten auf Zeit. So kann man einen Blick hinter die schmucken Fassaden werfen. Oder auch in den ehemaligen Kuhstall. Das Schloss ist heute Luxushotel, die Einstützenkirche ein sehenswertes mittelalterliches Kuriosum. Nur der Rest der Burg, der Turm, ist eine Enttäuschung: Viel ist nicht übrig davon.

Olef

Das Dorf mit 1120 Einwohnern ist heute ein Stadtteil von Schleiden und heißt wie der Fluss, der mitten hindurchfließt.

Der spitze Kirchturm ist kaum noch zu sehen, wenn man die steilen Hänge rechts oder links erklommen hat – die Kirche liegt direkt am Fluss. Im Sommer fährt die Oleftalbahn, ein historischer Schienenbus, von Kall nach Olef. Die Schienen liegen mitten auf der Dorfstraße, die von netten Fachwerkhäuschen flankiert wird. Damit niemand zu Schaden kommt, geht ein Rangierer mit Warnflagge dem Zug voraus – der natürlich in Schrittgeschwindigkeit fahren muss. Wer mag, wandert von Olef auf dem Eifelsteig zurück nach Kall und passiert dabei die Pingen bei Golbach (Pingenwanderweg).

Dudeldorf (1297 Ew.)

Wären nicht die US-Militärjets vom nahen Spangdahlem, könnte man sich in Dudeldorf ins Mittelalter zurückversetzt werden.

Die Stadtmauer aus dem 14. Jh. ist noch komplett, Tore führen oben und unten hinein und hinaus, es gibt malerische Ecken und Winkel zuhauf, einen Marktbrunnen und ein Herrenhaus aus dem 18.Jh., das die alte Burg ersetzte. Gedudelt wird auch, aber das erst seit Ende des 20.Jh. als jemand die scherzhafte Idee hatte, einen Dudelsackverein zu gründen, der gelegentlich zu Konzerten aufspielt. Duodelonis villa – so der Originalname zu Zeiten Karls des Großen im frühen 9.Jh., hat nichts mit Dudelsack zu tun … auch wenn das damals ein beliebtes Musikinstrument war.

Echtershausen

In einer Sackgasse zu liegen ist auch von Vorteil.

Im malerischen Prümtal unweit von Schloss Hamm, am Ende Kreisstraße 71, versteckt sich Echtershausen. Obstwiesen, südliches Flair und ganz viel Ruhe verströmt das Dorf. Etwas über 100 Einwohner – wer hier nur Ferien macht, ist schnell erkannt. Außer einer Marienkapelle von 1894 gibt es vor allem Natur. Viel Wald, viel Wiese.

Kyllburg

Die zweitkleinste Stadt in Rheinland-Pfalz hat keine 1000 Einwohner, aber einen großem Bahnhof.

Die Eifelstrecke Köln-Trier verschwindet hier nach dem Halt Kyllburg, wo sich Zug und Gegenzug auf der sonst eingleisigen Strecke begegnen, in einem Tunnel. Die ganze Stadt scheint nur einen Baustein zu kennen: roten Sandstein. Zumindest für die repräsentativen Gebäude, wie das ehemalige Gasthaus Eifeler Hof von 1890 im Stil der Neorenaissance. Auch die mittelalterliche Stiftskirche ist aus großen Sandsteinquadern gebaut und unverputzt. Der Buntsandstein lässt sich so hervorragend bearbeiten, dass er für fast alles Verwendung fand, was man mit Stein machen kann. Der Sandsteinabbau florierte bis ins späte 19.Jh./frühe 20.Jh.

Seitdem ist die Bevölkerungszahl rückläufig. Ein verschlafener Charme umweht das Städtchen, dem man ein bisschen mehr Leben wünscht – einige der vielen leeren Schaufenster nutzen lokale Künstler als Ausstellungsfläche. Übrigens: einer der schönsten Campingplätze der Eifel liegt unten im Tal der Kyll, die die sattgrüne Campingwiese hübsch durchfließt. Nasse Füße nicht ausgeschlossen.

Kerpen (473 Einwohner)

Eifelkrimis haben das Dorf unter der Burgruine (fast schon zu) berühmt gemacht. Auch vorher gehörte es zu den Top Ten, nämlich zu Zeiten des Eifelmalers Fritz von Wille, ein Zeitgenosse Kaiser Wilhelms.

Der arrivierte Künstler des späten 19. Jh. machte die Burg zu seinem Domizil und ist nicht weit davon entfernt begraben. Den hohen Turm der Burg von 1136 und das Dorf hat er immer wieder in Ölgemälden festgehalten. Die krummen Gässchen (halten Sie Ausschau nach einem davon mit Namen "Irrweg") und Steinmauern, kleinen Brunnen und Gärten mit Rosen und Lavendel, Blumenkästen mit roten Geranien in den Fenstern – man könnte meinen, man wäre in einem französischen Dorf!

Kerpen liegt mitten in der Hillesheimer Kalkmulde. Jenseits der L10 Richtung Berndorf findet man den ehemaligen Marmorsteinbruch Weinberg, wo im Frühjahr die Glockenunken von sich hören lassen … und wo einer der ersten Eifelkrimis erdacht wurde. Oder ist das nur Legende? Die Wanderer auf dem Eifel-Krimi-Wanderweg mit Start in Hillesheim und auf dem Eifelsteig sind überzeugt: Nein.

Irrhausen (212 Einwohner)

In das Tal der Irsen verirrt sich nur selten ein Tourist; meistens sind es Luxemburger, die hier durchkommen, und die sind eigentlich nicht fremd – die Grenze ist nur wenige Kilometer weit weg und die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Dörfern im Islek eng.

Irrhausen hat heute 212 Einwohner – genauso viele wie im Jahr 1950. So erscheint die Pfarrkirche (1901) ein wenig überdimensioniert. Das idyllische Irsental hat viele Reize, vor allem im Frühjahr zur Ginsterblüte leuchten die dunklen Schieferhänge gelb, im Spätsommer blüht die Heide. Das Irsental heißt zwar »Tal der Schmetterlinge«, aber auch Nagetiere sind hier zuhause: Fleißige Biber hinterlassen Spuren an jungen Bäumen, die sie abnagen und fällen, um aus den Ästen ihre Burgen zu bauen und Tümpel aufzustauen. Die Baumeister der Natur lässt man gewähren und ein Stück nasse Wildnis wieder entstehen.

Steffeln (634 Einwohner)

Ein gepflegtes Dorf-Ambiente mit hübschen Gärtchen und Grotten aus Lavasteinen findet man in Steffeln.

Im Dorfzentrum ist nicht nur die Kirche ein Blickfang, sondern das, worauf sie steht und noch dazu ein beeindruckendes Zeugnis des Vulkanismus: ein hoher Palagonit-Tuff-Fels. Die Schichtung der ausgeworfenen Aschen, aus denen der Palagonit besteht, hat ihre ästhetischen Reize. Der Sockel eines Hauses wurde aus dem Tuffblock herausgearbeitet, sodass es aus dem Stein herauszuwachsen scheint. Und zu Zeiten, als es noch keine Kühlschränke gab, höhlten die Steffelner die Tuffwand aus und nutzten die kühl-feuchte Grotte als Kühlkammer.

Viele alte Wegkreuze mit Erläuterungstafeln stehen rund ums Dorf. Dass der Berg Steffelnkopf westlich von Steffeln noch vor 100 Jahren etliche Meter höher war, können die Dorfbewohner heute verschmerzen. Denn der ehemalige Steinbruch, der bis in die 1950er-Jahre ausgebeutet wurde, ist heute als "Vulkangarten" eine Sehenswürdigkeit. Es ist ein Schauvulkankrater, wo man in den Schlot eines Vulkans blicken kann.

Mirbach

Kostbare Rarität in dörflicher Idylle

Wer aus Köln kommend von der A1 Kurs auf Gerolstein über Hillesheim nimmt, gewahrt kurz hinter der Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz einen ungewöhnliches Anblick: eine verkleinerte Kopie der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mitten in der Eifellandschaft. Wie kommt das malerische, von magerer Wacholderheide umgebene Dörfchen Mirbach zu so einer Kirche? Nachdem die alte Dorfkapelle baufällig geworden war, fand sich ein hochgestellter Sponsor für einen Neubau: Graf Ernst von Mirbach, dessen mittelalterliche Familiengeschichte mit der Eifel verknüpft war. Der Graf verkehrte am kaiserlichen Hof und hatte den Evangelischen Kirchenbauverein im Rücken, der den Neubau von Kirchen in der neu gewonnenen Eifelprovinz kräftig ankurbelte. Wenn auch im wilhelminischen "Mittelalterstil". So kommt es, dass der neoromanische Kirchenbau von 1902 nicht nur außen ein Schmuckstück ist, sondern auch innen mit Mosaiken auf Goldgrund, Ornamenten und Figuren überrascht. Geld spielte offenbar keine Rolle, wertvollste Materialien kamen zum Einsatz. Graf Ernst von Mirbach hat im frühen 20.Jh. mit der – übrigens katholischen – Erlöserkapelle einen deutlichen Fußabdruck hinterlassen, ebenso wie die wilhelminische Neoromanik und Mittelalterschwärmerei.

Das Dörfchen selbst ist eine lohnende Station auf dem Eifelsteig und besitzt mit "Em Backes" eine urige Gastwirtschaft, wo hungrige Besucher Flammkuchen aus dem Holzofen serviert bekommen. Ein kuzer Spaziergang und man ist in der Wacholderheide hinter dem Dorf, die u.a. wegen zahlreicher Orchideen und spezieller Flora unter Naturschutz steht.


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