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Eifelregio.net 26.12.2014 Westeifel Den Blaustein erkennt man eigentlich auf den ersten Blick, so fein und elegant graublau ist kaum ein anderer Stein. Besonders Kirchen und Friedhöfe lohnen einen Blick. Wegen seiner Säurefestigkeit wurde der Rechter Blaustein gern für Sauerkrauttröge und Lohbecken verwendet, daneben vor allem für Tür- und Fenstereinfassungen, Grab- und Wegkreuze. Recht, Blaustein, Rechter Schiefer, Schieferstollen, Bergwerk, Westeifel, Belgische Eifel

Westeifel

Auf Blausteintour – in und um Recht

Ausgehend vom Örtchen Recht bei St. Vith in der ostbelgischen Eifel kann man zu einer kleinen Tour in die Umgebung aufbrechen, immer Ausschau haltend nach Wegkreuzen, Hausportalen, Brunnen und Trögen aus feinem blaugrauem Stein, dem Rechter Schiefer.

Besonders Kirchen und Friedhöfe lohnen einen Blick, nicht nur die Grabsteine, auch viele Ausstattungsgegenstände und Schmuckdetails im Innern sind aus Rechter Blaustein gefertigt.

Neundorfer Kirche Blaustein-Madonna

Was ist Blaustein?

Den Blaustein erkennt man eigentlich auf den ersten Blick, so fein und elegant graublau ist kaum ein anderer Stein. Die Farbe des Rechter Schiefers beruht auf seiner speziellen Zusammensetzung aus Tonmineralen. Er ist ein seltener Phyllitschiefer, ein vor 450–480 Mio. Jahren entstandenes Sedimentgestein. Eingelagert sind Adern, die einen begehrten Wetzstein lieferten, sowie schöne funkelnde Pyrokristalle, wie man beim Besuch im Bergwerk sehen kann.

Wegen seiner Säurefestigkeit wurde der Rechter Blaustein gern für Sauerkrauttröge und Lohbecken verwendet, daneben vor allem für Tür- und Fenstereinfassungen, Grab- und Wegkreuze. Doch so schön und nützlich der Rechter Schiefer ist, hat er doch einen Nachteil: Er lässt sich nicht dünn spalten und taugt deshalb nicht als Dachschiefer.

Tiroler Barock

Die älteste erhaltene Grabplatte aus Rechter Schiefer steht in der Vorhalle der Kapelle von Wiesenbach bei St. Vith; sie ist 1649 datiert. Doch erst Steinmetzen aus Tirol brachten die Rechter Schiefersteinschnitzerei richtig in Schwung. In jener Zeit gehörten Recht und umliegende Gemeinden zu Luxemburg und lagen damit im Reich der Habsburger, ab 1740 unter Kaiserin Maria Theresia. Die Tiroler Steinmetzen Starck, Zangerle und Graff kamen aus der Umgebung von Kappl im Paznautal. Von dort importierten sie typische Motive wie das Kürzel »JHS« oder das auf uns heute makaber wirkende Totenschädelmotiv mit Beinknochen in den Augenhöhlen – Memento Mori in spätbarocker Drastik. Die Einwanderer lernten einheimische Handwerker an und die Rechter setzten die Tradition noch bis ins frühe 20. Jh. fort, wobei die Gestaltung allerdings gegen Mitte bis Ende des 19. Jh. immer schlichter wurde.

Recht – ein Dorfrundgang

Eine Runde durch das Schieferdorf auf der ausgeschilderten Route de la pierre bleue, der Blausteinroute, lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Die an der Umfassungsmauer der Pfarrkirche aufgestellten Kreuze zeigen Beispiele der aus Tirol inspirierten Reliefkunst. Im Innern der Kirche gibt es u.a. einen Taufstein aus dem blauen Schiefer des nahen Bergwerks zu bewundern.

Der Kirche gegenüber steht ein in Blaustein errichtetes Bauernhaus von 1764. Die Dorfstraße führt von der Kirche direkt zu einer Prozessionskapelle von 1784. Darin findet man ein wandfüllendes Relief der hl. Odilia des Tiroler Künstlers Ferdinand Starck. Weitere Beispiele für Blausteinkreuze mit fein ziselierten Reliefs sind die Stationen Sieben Fußfälle Am Hunnert auf dem Weg hoch in den Wald, die die Passion Christi zeigen (1831).

Vorbei am stillgelegten Tagebau von Recht führt die Straße Am Stein und auf dem Weg Feckelsborn trifft man auf eine Viehtränke aus Blaustein, ein Stück weiter auf ein Brunnenbecken. Wo die Straße Feckelsborn auf den St Vither Weg mündet, gibt es ein altes Haus mit Tiroler Details und weitere Blaustein-Wegkreuze vom Ende des 19. Jh.

Das Schieferbergwerk von Recht

Seit 1886 gewann man den Rechter Schiefer nicht mehr nur im Tagebau, sondern unter Tage in Stollen. Die Ausbeutung der Vorkommen wurde jedoch zunehmend unrentabel, da billiger Schiefer vor allem aus Wales den Markt überschwemmte und der Rechter Schiefer nicht zum Dachschiefer geeignet war wie andere Produkte aus der Region.
Recht Bergwerk Aussen Recht Bergwerksführung

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg gab man den Stollen auf. Er ist heute nach 10 Jahren Bauzeit dank eines Vereins wieder bequem begehbar gemacht. Ausgestattet mit Helm, Pelerine und festem Schuhwerk, bewegen sich heutige Besucher bei konstant 7 Grad Celsius unter der Erde und bekommen einen Eindruck davon, wie gefährlich die Arbeitsbedingungen im 19. Jh. hier waren. Das zeigt die Geschichte vom Tod des Nicolas Zangerle, der laut Inschrift am 2. August 1824 bei der Arbeit verunglückte, und zwar »im Bruch durch den Sturz dieses Steines, welcher ihm zum Grabstein geworden, erdrückt wurde«.

Zum Schieferstollen 9 a, etwas außerhalb von Recht bei St. Vith, Tel. 0032 80 57 00 67, www.schieferstollen-recht.be, Di–So 10–17 Uhr, 11 und 14 Uhr, 90minütige Führungen, aber auch auf eigene Faust begehbar, 8 €
Recht Bergwerk Blausteinkreuz für Nicolas Zangerle, ✝ 2.8.1824 Recht Bergwerk: bei der Führung

Neundorf

Der Baumeister Andreas Starck aus Recht leitete ab 1763 die barocke Umgestaltung der Kirche von Neundorf. Die Steinbank in der Kirchen-Vorhalle diente der Abgabe des Zehnten, den die Bauern dem Pfarrer bzw. der Kirche zahlten, unter den wachsamen Augen der Gottesmutter in der Muschelnische darüber – alles in Blaustein und aus dem Jahr 1763. Einen Blick wert sind die vielen alten Schieferkreuze und -grabsteine, die z.T. in die Umfassungsmauer des Friedhofs eingelassen sind.

Mackenbach

Das Grabkreuz in Mackenbach gilt als eins der ältesten und schönsten Beispiele für die Tiroler Schnitzkunst. Es erinnert an einen 1719 verstorbenen Gerichtsschöffen aus St. Vith.

Burg-Reuland

Eine kunstvoll verschnörkelte Arbeit mit Rocaillen von 1772 ist das Eingangsportal am Kirchturm der Pfarrkirche von Burg-Reuland, die ab 1771 vom Rechter Baumeister Ferdinand Starck gebaut wurde.


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